Wort des Ratsvorsitzenden der EKD, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, zum Coronavirus

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und derBesonnenheit (2.Timotheus 1,7). Liebe und Besonnenheit – was heißt das für unser Handeln gegendie Ausbreitung des Coronavirus?

Viele von uns müssen gegenwärtig schwierige und teilweise schmerzliche Entscheidungen treffen.Welche Veranstaltungen können stattfinden? Welche müssen wir absagen? Wieviel Vorsicht ist inunseren persönlichen Beziehungen im Umgang mit andren Menschen geboten? Können wirüberhaupt noch jemanden körperlich berühren? Und gerade wenn es auch um andere Menschengeht: Wie können wir das richtige Maß zwischen zuversichtlicher Gelassenheit und Leichtsinnfinden?

Sie haben es vermutlich in der Presse gelesen: wir haben die konstituierende Tagung der neuenLandessynode vom 22.-26. März in Bayreuth schweren Herzens bis auf Weiteres verschoben. Mitdieser Entscheidung beteiligen wir uns an den allgemeinen Präventionsbemühungen gegen dieweitere Verbreitung des Coronavirus. Auch andere kirchliche Veranstaltungen und großeGottesdienste müssen abgesagt werden. Auch bei Ihnen in den Gemeinden werden die damitverbundenen schwierigen Abwägungen zu treffen sein.

Auch in unserem persönlichen Verhalten brauchen wir die Kraft, Liebe und Besonnenheit, von derPaulus spricht. Die Liebe drängt nach der Umarmung oder zumindest dem Handschlag. DieBesonnenheit lässt uns das freundliche Zunicken vorziehen – oder auch den Stups mit demEllenbogen als neue Form der Begrüßung.

Die Liebe zeigt uns aber ganz bestimmt den richtigen Weg. Die Liebe sagt: Rücksicht auf andere istwichtiger als die eigene Gelassenheit.

Wenn wir jetzt unerwartet mehr Zeit haben durch abgesagte Veranstaltungen oder weil wirzuhause bleiben müssen, dann können wir sie nutzen für Besinnung, Gebet, Psalmenmeditation,Auftanken und Gemeinschaft mit lieben Menschen.

Wir denken an die Menschen, die gesundheitlich mit den Folgen des Virus kämpfen. Wir denkenauch an die Menschen, die spürbar unter den wirtschaftlichen Konsequenzen des Virus zu leidenhaben. Menschen haben Angst um ihren Arbeitsplatz. Geschäftsleute bangen um daswirtschaftliche Überleben.

Für sie alle und für uns selbst wollen wir beten: Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen,die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, daseine vom anderen zu unterscheiden.

Als Christen leben wir nicht aus der Angst, sondern aus dem Vertrauen. Bei allem was jetzt anVorsichtsmaßnahmen zu ergreifen ist, wissen wir: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist derFurcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“

Das ist die beste Voraussetzung, jetzt das Richtige zu tun, um Gefahren für die Zukunft zuvermeiden und gleichzeitig tief in der Seele zu spüren: Gott ist bei uns jeden Tag. Auf ihn vertrauenwir, egal, was kommt.

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